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Podiumsdiskussion zum Abschluss der 30. Universitätswochen

Diskutierten in der Kundenhalle der Sparkasse am Niederrhein über das Wesen, die Wirkung und die Folgen von Fake-News (v.l.n.r.): Thomas Hüser, Dr. Martin Florack, Professor Dr. Rolf Parr und Dr. Steffen Pappert.

Diskutierten in der Kundenhalle der Sparkasse am Niederrhein über das Wesen, die Wirkung und die Folgen von Fake-News (v.l.n.r.): Thomas Hüser, Dr. Martin Florack, Professor Dr. Rolf Parr und Dr. Steffen Pappert.

MOERS. Fake-News haben zwei nahe Verwandte: die Lüge und den Skandal. Darin waren sich alle Gesprächsteilnehmer der Podiumsdiskussion zum Abschluss der 30. Universitätswochen einig. Doch wie mit den inszenierten und emotional aufgeladenen Falschmeldungen umgehen? Der Journalist und PR-Fachmann Thomas Hüser plädierte für die Strategie der klaren Kante: „Alle Demokraten müssen Fake-News entschieden bekämpfen!“ Doch genau das sei problematisch, erwiderte der Germanist Dr. Steffen Pappert und zitierte Martin Luther: „Eine Lüge ist wie ein Schneeball: Je länger man ihn wälzt, desto größer wird er.“ Aktuelle Studien zeigten, dass Fake-News, die vehement mit Argumenten bekämpft werden, von ihren Anhängern umso mehr verbreitet würden. Das Dilemma beschreibt Dr. Pappert so: „Durch Protest werden Fake-News mächtiger, deshalb rate ich zu moderater Kritik.“

Vor rund 100 Zuhörern in der Kundenhalle der Sparkasse am Ostring fragte Moderator Professor Dr. Rolf Parr: „Brauchen wir also Gesetze gegen virale Falschmeldungen?“ – Nein, war die einhellige Antwort. Ein Verbot im Zeitalter des Internets sei nicht möglich und auch nicht praktikabel, weil immer mehr Fake-News eine brisante Mischung aus Wahrheit und Lüge seien. Dennoch forderte der Politikwissenschaftler Dr. Martin Florack: „Wir brauchen wieder Rahmenbedingungen, die uns vor Fake-News schützen.“ Beispielsweise kritischen und sorgfältig recherchierten Journalismus. Und mehr interpersonale Kommunikation. Denn, so erläuterte Dr. Florack: „Bei der Meinungsbildung sind Gespräche relevanter als die mediale Verbreitung von Meinungen.“

Fake-News verspritzen ihr Gift besonders wirksam dort, wo sie auf wenig Bildung und demokratische Strukturen treffen. Darin stimmten alle Experten überein. Umgekehrt garantiere unsere hochentwickelte Demokratie uns aber nicht, vor Falschmeldungen gefeit zu sein. Heutzutage sei jeder gefordert, sich vielseitig zu informieren und skandalträchtige Meldungen kritisch zu hinterfragen. Als Hilfestellung nannte Thomas Hüser vier Fragen, mit deren Hilfe sich Fake-News entlarven lassen: „Wem nutzt die Nachricht? Welchen Grad der Inszenierung hat sie? Sind diffamierende Elemente dabei? Soll dadurch eine Empörung ausgelöst werden?“ Angesichts der anspruchsvollen Checkliste bemerkte Dr. Florack: „Das ist für einen Journalisten schon schwer, wie soll das ein normaler Bürger schaffen?“

23.10.2017

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