Drei Lesungen zum Gedenktag 9. November

US-Soldaten untersuchen einen mit toten Häftlingen beladenen Güterwagen, Dachau, Deutschland 1945, von Lee Miller. © Lee Miller Archives, England 2026. Alle Rechte vorbehalten. leemiller.co.uk

US-Soldaten untersuchen einen mit toten Häftlingen beladenen Güterwagen, Dachau, Deutschland 1945, von Lee Miller. © Lee Miller Archives, England 2026. Alle Rechte vorbehalten. leemiller.co.uk

MOERS. Mit drei Veranstaltungen, die Musik und Lesung miteinander verbinden, erinnert die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Moers e. V. zum Gedenktag 9. November an den Beginn der Judenverfolgung – zunächst in Deutschland, dann in ganz Europa:

Am Vortag, Sonntag, 8. November 2026,
17.00 Uhr, Moers – Repelen, Dorfkirche
Eintritt frei, am Ausgang wird um eine Spende gebeten

Am Gedenktag. 9. November,
9.30 Uhr, Moers, Aula, Gymnasium in den Filder Benden
11.00 Uhr gemeinsames Gedenken am Mahnmal, Hanns-Dieter-Hüsch-Platz
20.00 Uhr Neukirchen-Vluyn, Gedenkandacht zur musikalischen Lesung, in der
Dorfkirche der Evangelischen Kirchengemeinde Neukirchen

Achtung! Baustelle!
Zufahrt zur Dorfkirche aus Richtung Moers, im Kreisverkehr, rechts, Neukirchener Ring, 1. Straße links: Hochstraße bis zu den Parkplätzen an der Dorfkirche

Der 9. November ist ein „Schicksalstag“ der deutschen Geschichte: Es ist der Tag der Reichspogromnacht von 1938, Beginn der organisierten Verfolgung und Vernichtung unserer Mitmenschen jüdischen Glaubens unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, es ist der Tag des Mauerfalls von 1989 – verbunden mit dem Traum vom Ende des Kalten Krieges und vom Frieden in ganz Europa, einem Traum, aus dem wir 2022 durch den russischen Überfall auf die Ukraine jäh gerissen wurden, es ist der Tag der Ausrufung der Weimarer Republik am 9. November 1918 – Deutschlands erster Versuch einer Demokratie, der erst 1949, nach unsagbarem Leid und mit Hilfe der Alliierten, gelang.

Konrad Göke liest aus Jorge Semprúns Buch *Die große Reise* (*Le Grand Voyage*) und wird dabei, von Marko Kassl am Akkordeon begleitet. Eingefügt in die Lesung, drei Chansons, Georges Moustaki „Le Météque“, das Lied des Fremden ohne Rechte, des Juden in der Diaspora, Boris Vian „Le Déserteur“, der Brief des Mannes, der nicht zur Waffe greifen, nicht töten will, „Ne me quitte pas“ Bitte geh nicht fort! Lass mich nicht allein! Bitte komm zurück! Das Lied vom Abschied der keine Rückkehr kennt.

Jorge Semprún „Die große Reise“

In dem 1963 erschienenen autobiografischen Roman verarbeitet der spanische Autor seine Deportation. Erzählt wird die fünftägige Fahrt von 119 französischen Widerstandskämpfern in einem engen Güterwaggon in das Konzentrationslager Buchenwald im Jahr 1944. Die Handlung, fünf Tage im Waggon, steht im Zentrum des Geschehens, erzählt vom Ich-Erzähler Gérard, Sempruns Deckname in der französischen Résistance. Die Reise in dem überfüllten, luftlosen Güterwagen ist von extremem physischem und psychischem Leid geprägt: Enge, Hunger, Durst und die ständige Ungewissheit über das, was sie am Ziel erwartet, bestimmen die Fahrt. Semprún begann erst 16 Jahre nach der Befreiung Buchenwalds, seine Erlebnisse niederzuschreiben.

Ermöglicht durch die Sparkasse am Niederrhein konnten bei der „Le Miller Archives“ in London die Rechte erworben werden, bei den Lesungen, bei Ankündigungen und begleitenden Information, das Foto mit dem Toten zu zeigen, dass die Kriegsfotografin Lee Miller aufgenommen hatte, als US-Soldaten die schweren Schiebetüren der Güterwaggons des Deportationszuges öffneten, den die vorrückenden Streitkräfte der USA in Dachau aufgefunden hatten.

Lee Miller stand als Model nicht nur selbst vor der Kamera, sondern hielt als Kriegsberichterstatterin und VOGUE-Korrespondentin mit ihrer Kamera das Leid an der Front während des Zweiten Weltkriegs fest. Ein Zeugnis der Zeitgeschichte, das Foto von Lee Miller in Hitlers Badewanne, in München, in seiner Wohnung am Prinzregentenplatz, nach dem Einmarsch der Amerikaner. Am Badewannenrand links, ein Bild von Adolf Hitler, vor der Badewanne, rechts, die Armeestiefel der Fotografin.

13.10.2026

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