Comedy Arts Festival: Sparkassen-Arena fast ausverkauft

Absolute Weltklasse: Visuelles Theater von Galumpha beim Comedy Arts Festival am Samstag.

MOERS. Nach dem rasanten Auftakt ging es am zweiten Abend des Comedy Arts Festivals vor rund 1700 Zuschauern zauberhaft weiter. Und das im wahrsten Sinn des Wortes, wurde doch das Programm voller „Attraktionen, Sensationen, Mutationen“ von einer leibhaftigen Zauberin moderiert: Astrid Gloria aus Köln, dem „guten Nistplatz für schräge Vögel“, sorgte mit Hessenpower und derbem Witz dafür, dass die Zuschauer in der Sparkassen-Arena zwischen „den mysteriösen Sachen zwischen Himmel und Erde, die man nicht erklären kann“ die Bodenhaftung nicht verloren. In einem orkanstarken Feuerwerk an guter Laune sinnierte sie über die Boshaftigkeit jener „Spermapolder“, die beim Ausparken so gern plötzlich hinter dem Auto aus dem Boden schießen, über sockenfressende Waschmaschinen und das Schicksal der zurückbleibenden Single-Socken. Sie empfahl für gefühlsechte und kuschelweiche weibliche Rundungen Schokolade statt Silikon, ließ Tische über die Bühne schweben, zauberte ein Piccolöchen aus ihrem Stiefel und begründete mit Comedy-Fan Werner aus Essen den Weltrekord im „Männer-mit-den-Blicken-ausziehen“.

Explosive Stuntshow aus der Schweiz

Der Turbobegrüßung folgte eine Turboshow mit Sexsymbol Dottore Antonio Superbuffo Caradonna. Das war Stuntcomedy in der explosivsten Sorte. Der liebenswerte Schweizer, der so herzlich ansteckend über seine eigenen Witze lachen kann, ist Wilhelm und Walter in Personalunion, mit einem Bumerang statt der Armbrust und einem Kopfsalat statt des Apfels. „Ich weiß, das ist sehr blöd“, gesteht er freimütig, aber er hat eine Erklärung: „Ich bin aus der Schweiz.“ Zu raffinierten Soundtracks aus James Bond und Mission Impossible tönte der Schlachtruf „Go Superbuffo, go!“ durch die Arena, als Caradonna mit einem ferngesteuerten Hubschrauber brennende Kerzen auf einem Kuchen auspustete und eine Zigarre, die er lässig zwischen den Lippen hielt, in kleinste Stücke zerhäckselte, mit dem auf dem Kinn jonglierten „Rasentrimmer des Todes“ Kopfsalat explodieren ließ oder als Superman beim Striptease auf einem original Schweizer Kanalisationsrohr mit einem Laubbläser Basketball spielte. „Von mir könnt Ihr was lernen“, erklärte Caradonna strahlend, bevor er sich unter tosendem Beifall verabschiedete.

Pantomime der Sonderklasse

Im zweiten Act begrüßte Gloria einen Mann, der nicht viele Worte macht, einen Weltstar der Visual Comedy: Joseph Collard, die eine Hälfte des Duos Les Funambules, verzauberte mit seinem Solostück Zig-Zag das Publikum. In klarer Körpersprache zauberte der Meister der Situationskomik in einem phantasiereichen Wirbel aus Ausdruck und Clownerie ein lebendiges Bild von seiner Familie, seinen Lehrern, seiner Karriere als Pantomime. Assistiert von Maria und Josef aus dem Publikum wurde gezigzagt in einem virtuosen Strudel aus Improsivation und Absonderlichkeiten: Pantomime der Extraklasse. Ein zauberhafter Act der stillen Kunst, der vom faszinierten Publikum mit stehenden Ovationen gefeiert wurde.

Imitieren und irritieren: SWOP lässt deutsche Popsongs swingen

Den lautstarken Kontrast lieferten nach der Pause Thomas Nicolai und das elf Mann starke Savoy-Dance-Orchestra mit SWOP, der genialen Mischung aus Swing und Pop. „Singen Sie mit, klatschen Sie mit, schnippsen Sie mit“, forderte der Schauspieler, der seit 2004 vor allem sich selbst spielt, das Publikum auf - und die Zuschauer ließen sich nicht lange bitten: sie sangen, klatschen und schnippsten nach Leibeskräften. Mit seiner neuen Show hat „Ossi“ Nicolai sich einen Traum erfüllt: In Spezial-Arrangements lassen die virtuosen Musiker bekannte Songs völlig neu erklingen: „Endlich versteht man die Texte.“ Ob Herbert Grönemeyers „Bochum“ oder Wolle Petrys „Wahnsinn“, der blonde Entertainer jazzte, rockte, kalauerte, imitierte und irritierte durch die deutsche Popgeschickte, dass kein Auge trocken blieb. Gewürzt war das ultimative SWOP-Meeting mit Kurzbesuchen von Patrick Schleifer, dem Country- oder vielmehr „Ganndry“-Fan mit dem geschmacklosesten Strickpulli und der scheußlichsten Frisur unter der Sonne von Schkeuditz und Witzeerzähler Pepik Nowak aus Vrchlaby bei Prag, der mit seinen gnadenlosen Witzen für ausgelassene Stimmung sorgte – beides nicht neu, aber immer wieder gut.

Absolute Weltklasse: Visuelles Theater von Galumpha

„Ist das nicht eine geile Nacht“, jubelte Astrid Gloria nach dieser Groove-Attacke, bevor sie nach einem völlig losgelösten Hilde-Knef-Rock mit Sex, Drugs und Rock’n’Roll den letzten Act des Abends ankündigte: Galumpha aus New York. „Galumpha“, so hat die Zauberin recherchiert, „heißt etwas mit etwas mehr Energie tun als nötig wäre.“ Doch Galumpha heißt noch viel mehr: Galumpha ist eine außergewöhnliche Kombination aus atemberaubender Akrobatik, wundervollen visuellen Effekten und phantasiereichen Tanzchoreographien. Mit Galumpha kreieren Andy Horowitz, Greg O’Brien und Marlon Torres eine Welt ausdrucksvoller Schönheit, in der sie wie bewegliche Skulpturen ineinander verschmelzen, in der es aber auch immer wieder Momente des köstlichen Vergnügens gibt. Kurzum: Entertainment der Weltklasse, präsentiert in Moers, dem „Brasilien des Niederrheins“.

Mit frenetischem Applaus und Dankesworten für alle Akteure, Helfer, Sponsoren und für den Künstlerischen Leiter Holger Ehrich ging ein zweiter wunderbarer Festivaltag zu Ende. Den kleinen Gloria-Witz zum Mit-nach-Hause-nehmen gab es als letzte Zugabe obendrein.

5.8.2007

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