4.600 Zuschauer an drei Tagen / viel Applaus beim Finale

Zum Finale des Festivals enterte Oliver Kalkofe die Bühne. Seine böse, fast schon sadistische Medienschelte, bekannt aus seiner TV-Show „Mattscheibe“, war auch live das Pfund mit dem der Grimme-Preisträger wucherte. Das kam beim Publikum an, denn je frecher und gemeiner seine Angriffe waren, desto mehr Lacher hatte er auf seiner Seite.

MOERS. Nach zwei tollen Festival-Tagen bot das Comedy Arts Festival auch am Sonntag ein hochwertiges Programm. Holger Ehrichs neues Konzept, jeden Abend von einem anderen Künstler moderieren zu lassen, ging wiederum auf – auch wenn Detlef Winterberg es schwer hatte, an die Klasse eines Heinz Gröning oder der zauberhaften Astrid Gloria heranzureichen. Das Publikums musste erst einmal mit dem Witz des zappeligen Berliners warm werden, doch dann zündeten seine Gags. Der freche Seitenhieb auf Moers war schon gut: „Schau Dir die Altstadt von Moers an - gönn’ Dir die zwei Minuten.“ Aber vor allem die Slapstick-Nummern, die er mit mundgemachten Geräuschen unterlegte, kamen beim Publikum gut an. Seine Imitation einer Kaffeemaschine, Modell Philips 310, war ein echter Knaller. Die Stimmung in der Sparkassen-Arena nahm Fahrt auf.

Danach übernahmen Herr Schulze und Herr Schröder vom Wall Street Theatre das Kommando. Die beiden Herren verkörpern zwei schrullige englische Gentlemen, die mit großem Bohei eine Melange aus Slapstick und Akrobatik präsentieren – jedoch immer sehr korrekt, sehr britisch. Da blieb keine Auge trocken: Ob nun mit Stühlen eine waghalsige chinesische Pyramide gebaut wurde oder der klassische Zaubertrick „The levitating lady“, als „schwäbische Jungfrau“ übersetzt, von den Herren zur Rücken schädigenden Kamikaze-Nummer verwurstet wurde.

Ruhrgebiets-Softie und Wortakrobat

Der musikalische Kabarettist und Poet Christian Hirdes setzte indes andere Akzente: Seine teils hintergründig komischen Lieder und Gedichte spielten kunst- und lustvoll mit der deutschen Sprache. Die Geschichte von Lisa und ihren vier chinesischen Freundinnen ist beispielsweise Wortakrobatik pur. Heinz Erhard, Hanns Dieter Hüsch und Max Goldt hätten ihre wahre Freude daran gehabt. Christian Hirdes, ein Ruhrgebiets-Softie und verkorkster Frauerversteher, begleitet sich mit Klavier und Gitarre, entlockt sowohl dem Alltag als auch seiner reichen Fantasie so manch morbid-witziges Bonmont. Dabei kann er auch ganz anders: Seine Mitmach- und Stimmungslieder, wie die böse Grönemeyer-Persiflage und Organspender-Hymne „Gib mir mein Herz zurück, ich brauch meine Leber noch“ oder seine Essener Stadtteile aufzählende Version des Bob Marley-Klassikers, hier „No woman in Kray“ betitelt, ließen das Publikum begeistert klatschen und johlen. Bei der orgiastisch jodelnden Verhohnepiepelung von Cranberries „Zombie“ geriet er gar in erotische Verzückung: „Sie kommt nie!“ Den Zuschauern war’s recht. Applaus - Applaus!

Herr Schulzes und Herr Schröders zweiter Streich

Das zweite Set von Herrn Schulze und Herrn Schröder bot komische Aktions-Comedy. Der dramatisch angekündigte „The ultimate act“ entpuppte sich für die Künstler als halsbrecherisches Mitmach-Kunststück, wurde doch aus dem Publikum ein Freiwilliger rekrutiert: „We need a frei Willi – we need a Herr Schmitz!“ Und dieser Helfer hatte hernach eine buchstäblich tragende Rolle, denn er musste - fix als Engländer verkleidet - auf seinen Schultern Herr Schulze tragen. Dieser jonglierte im Zusammenspiel mit Herrn Schröder sechs Kegel. Erschwert wurde der Act dadurch, dass Herr Schröder auf einem extra hohen Einrad balancierte. Die Arena johlte.

Die Frau kann einfach alles

Hohe Erwartungen wurde an den Auftritt von Martina Brandl geknüpft. Und ihr vielseitiges Programm nahm locker diese Hürde und überzeugte mit einem Best-Of aus zwölf Jahren Bühnenkarriere. Die Frau kann einfach alles: freche Chansons, bis an die Bitterkeit reichende Selbstbeschau, beinahe klassisches Kabarett und spöttische Comedy. Alles sehr musikalisch, denn Martina Brandl verfügt über mehrere Stimmen – unter anderem auch über eine schöne Singstimme. Begleitet wurde sie von Martin Rosengarten am Klavier. Natürlich gab es auch einen Auszug aus ihrem Roman „Halbnackte Bauarbeiter“, der in der Spiegel-Bestsellerliste den sechsten Rang erreichte. Vor allem die schonungslos-witzige Beschreibung ihres Lebens als Frau über 35 löste wahre Heiterkeitswellen in der Arena aus. Gerade die Tücken mit der komplizierten Sache namens Liebe und Erotik brachte Martina Brandl immer wieder köstlich auf den Punkt. Große Show, großer Jubel.

Kalkofe pur: Satirisch, sarkastisch und böse

Zum Finale enterte dann Oliver Kalkofe die Bühne. Seine böse, fast schon sadistische Medienschelte, bekannt aus seiner TV-Show „Mattscheibe“, war auch live das Pfund mit dem der Grimme-Preisträger wucherte. Genüsslich sezierte er den Niedergang so mancher Pop-Helden. Ob nun Prince, Angela Merkel oder die Teletubbies: Alle bekamen ihr Fett weg. Satirisch und sarkastisch kalauerte er sich durch sein Programm: „Wie groß ist das Gehirn eines Fernsehredakteurs? Es muss ja eine gewisse Größe haben, damit es beim schlafen nicht aus dem Ohr rollt.“ Das kam beim Publikum an, denn je frecher und gemeiner seine Angriffe waren, desto mehr Lacher hatte er auf seiner Seite. Kalkofe wurde seinem Ruf gerecht und scheute auch nicht den Witz, der weit unter der Gürtellinie seine Treffer landet. Der Mann hat immerhin einen Ruf zu verteidigen. Seine Live-Performance verband er mit einigen der besten Szenen aus seiner Fernsehshow, die er auf eine Leinwand projizieren ließ. Dem Großteil der Zuschauer gefiel’s. Einige hatten vorab die Arena Richtung heimatliches Bett verlassen, was wohl der fortgeschrittenen Uhrzeit geschuldet war.

Mit großem Applaus und Dankesworten für alle Akteure, Helfer, Sponsoren und einem Glückwunsch für den Künstlerischen Leiter Holger Ehrich ging damit ein gelungenes Festival zu Ende. Insgesamt besuchten knapp 4.600 zufriedene Zuschauer das Comedy Arts Festival 2007.

6.8.2007

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