Konzert der Sparkassenkulturstiftung: Perlen des Barock

MOERS. Mit einer höchst amüsanten Matinee begrüßte die Reihe der Städtischen Konzerte das neue Jahr. „Perlen des Barock“ standen auf dem Programm des sonntäglichen Sonderkonzerts der Sparkassenkulturstiftung Moers. Dargeboten wurden die Preziosen von jungen Künstlern, die dem Moerser Publikum vom Musiksommer, der traditionell ebenfalls von der Sparkassenkulturstiftung unterstützt wird, in bester Erinnerung sind. Jedenfalls herrschte ein überaus reger Andrang, und nicht wenige Besucher mußten enttäuscht weggeschickt werden.

Ratlose Gesichter

Den Glücklicheren, die eine Eintrittskarte ergattern konnten, wurde ein ganz besonderes Erlebnis beschert: eine Konzertprobe mit vielen Überraschungen, witzig und spritzig präsentiert. Zunächst trat eine vermeintliche Sängerin auf und mühte sich zum Vergnügen des Publikums mit Einsingübungen ab. Dann Abgang und Auftritt des Sängers, dem weder Theaterschal noch Hustinettenbär zum rechten Ton verhelfen wollten. Das sollten Perlen des Barock sein? Im voll besetzten Martinstift gab es manch ratloses Gesicht.

Doch dann stürmten endlich die „echten“ Künstler in den Saal und übernahmen das Spiel. Assistiert von ihrem Klavierbegleiter Oliver Drechsel gewährten Susanna Martin (Sopran), Jens Lauterbach (Tenor) und Martin Berner (Bariton) einen vergnüglichen Blick „hinter die Kulissen“ und demonstrierten, wie es in einer Konzertprobe zugeht. Es war noch einige Polierarbeit vonnöten, bevor die barocken Perlen endlich so recht glänzen wollten. Mal sollte es „ein bißchen triefiger“ klingen, aber doch nicht zu sehr, an anderer Stelle „ruhig ein bißchen offensiv“ und insgesamt „mal etwas dynamischer“.

Häppy Händel

Oliver Drechsel lieferte kurzweilige Erklärungen, was es mit dem „Fischbeinkleid“ in Bachs Kaffeekantate auf sich hat und ob es bei Händel „Happy“ oder „Häppy“ klingen muß. Das witzelte eine Weile zwischen Kaffeetisch und Flügel munter so vor sich hin, bis schließlich die Forderung laut wurde: „Machen wir mal einen Durchlauf, ich hab’ heut Abend noch Konzert.“ Da ließen die drei Solisten Händels brillante Arien nach allen Regeln der Kunst glänzen, temperamentvoll und virtuos, ob solo, im Duett und Terzett.

Nach einer „Kaffeepause“ für das Publikum kamen die Künstler in Bühnengarderobe zurück – ein sicheres Indiz dafür, daß nun endgültig der richtige Konzertteil beginnen sollte. Ein bißchen spielte noch die gelöste Stimmung aus der ersten Hälfte mit, was der Interpretation von Bachs Kaffeekantate gut tat. Das Trio Martin/Lauterbach/Berner gab das populäre Werk angenehm launig und leicht, mal ein bißchen schmachtend, dann wieder energisch derb, doch stets mit einem Augenzwinkern und voller Harmonie. So schmeckte das süße Gift den Zuhörern, das frenetisch applaudierte und stürmisch eine Zugabe erklatschen wollte. Leider gab es keinen Nachschlag, aber zu viel Kaffee ist ja ohnehin ungesund.

17.01.2005

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