200 Zuhörer beim Auftakt der 13. Universitätswochen

MOERS. Einen beeindruckenden Einblick in die Herstellung und den praktischen Einsatz von Materialien, deren Größe in Milliardstel-Metern gemessen wird, bot der Auftakt der 13. Universitätswochen. Dr. Andreas Gutsch von der Degussa Hüls AG führte seinen rund 200 Zuhörern in der Kundenhalle der Sparkasse Moers

vor Augen, daß alltäglich genutzte Produkte wie Autoreifen, Handys oder Computer ohne "nanoskalige Materialien" gar nicht mehr denkbar wären.

Der Schlüssel für zukünftige Entwicklungen und deren wirtschaftlichen Erfolg im Markt, so Gutsch, liege nunmehr in der direkten Beeinflussung der äußeren Form von Teilchen, deren Größe sich zu einem Fußball verhält wie dieser sich zum Planeten Erde.

Ohne Ruß: nur 60 km/h

Die Überraschung stand den Besuchern der gemeinsamen Veranstaltungsreihe von Sparkasse Moers und Gerhard-Mercator-Universität Duisburg im Gesicht. Mit soviel Anschaulichkeit hatten die meisten im Blick auf den diesmal gewählten Titel "Nanotechnologie und Mikrosystemtechnik - Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts" nicht gerechnet. So erfuhren sie von dem 36jährigen Entwicklungsingenieur beispielsweise, "daß ein Autoreifen ohne die stabilisierende Zugabe von Ruß nur 60 Stundenkilometer schnell gefahren werden dürfte."

Im Prinzip gebe es zwei Möglichkeiten, nanoskalige Materialien herzustellen: "Auf flüssigem oder gasförmigem Weg". Als einer der drei weltgrößten Mitspieler in diesem Zukunftsmarkt produziere Degussa Hüls seine Pigmente auf der Gas-Route. Einsatz finden sie bereits heute bei der Herstellung von gut deckenden und leicht zu verarbeitenden Wandfarben, von Poliermitteln für Trägerplatten elektronischer Leiter, Kondensatoren für Handys und vielem mehr.

Der entscheidende Schritt, die Form dieser kleinsten molekularen Teilchen je nach geplanter Verwendung zu beeinflussen, stehe noch bevor. "Hier tut sich ein viele Milliarden Mark schwerer Markt auf", sagte Gutsch. So beinhaltete der Vortrag nicht nur einen ebenso differenzierten wie anschaulichen Ausflug in die Welt der Wissenschaft. Gleichzeitig verdeutlichte Gutsch die harten wirtschaftlichen Interessen eines Weltunternehmens, das sich im Spannungsfeld von produktorientierter Grundlagenforschung, Abwehr von Industriespionage und zügiger Umsetzung neuer Erkenntnisse einen der vordersten Plätze im internationalen Markt erkämpft hat.

Vor diesem Hintergrund verliehen Unirektor Professor Ingo Wolff und vorstandsvorsitzender Hartmut Schulz die beiden Innovationspreise Mechatronik der Sparkasse, die in diesem Jahr an Dr. Martin Anantharaman und den Diplom-Ingenieur Martin Post gingen (wir berichteten). Schulz: "Praktische Nutzanwendungen wissenschaftlicher Forschung fördern die wirtschaftliche Entwicklung der Region."

Den zweiten Vortrag der 13. Universitätstage in Moers hielt der Duisburger Professor Heinrich Fißan zum Thema "Von der Mikrotechnik zur Nanotechnik: Perspektiven in der Sensorik und Elektronik". Bericht dazu